Teilhabe leben mit intellektueller Beeinträchtigung. Risiken und Chancen.

Knaup, M.; Schuck, H. & Stöppler, R. (Hrsg.) (2024).

In berechtigter Weise formulieren die Herausgebenden zentrale Fortschritte im Kontext Teilhabe (bspw. mit Bezug auf die Gründung des Aktionsbündnisses Teilhabeforschung sowie den aktuell dritten Teilhabebericht der Bundesregierung), zugleich weisen sie auf einen immer noch erheblichen Handlungsbedarf für die in hohem Maße vulnerable Gruppe der Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung hin, deren Teilhabechancen immer noch (teilweise auch wieder, betrachtet man sich die aktuellen politischen Entwicklungen) zahlreichen Risikofaktoren und somit Exklusionsrisiken gegenüberstehen.

Mit einem (in den einleitenden Worten dargelegten) Teilhabeverständnis in Orientierung an Peter Bartelheimer u.a. von Subjektorientierung und Mehrdimensionalität, einer Perspektive auf eine gute Lebensführung im Kontext sozialer Gerechtigkeit, dem Aufzeigen von Wahlmöglichkeiten und Handlungsoptionen sowie dem Verständnis von Teilhabe als einem zu schützenden Spielraum der Lebensführung (Kapitel 1) gliedern sie den Herausgeberband in elf Kapitel, die die wesentlichen Teilhabebereiche und dahingehenden Einschränkungen für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung auf je ca. zwanzig Seiten pointiert umreißen. Folgende Bereiche finden Berücksichtigung: Mobilität und Barrierefreiheit (Stöppler), Gesundheit (Stöppler), Sicherheit und Schutz vor Gewalt (Thümmel), Familie (Jeltsch-Schudel), berufliche Bildung (Schuck), Arbeit und Beruf (Schuck), Wohnen (Orlandt), Erwachsenenbildung (Metzger), Kultur (Knaup), Freizeit (Knaup) und digitale Medien (Seibert).

In konsequent lösungsorientierter Perspektive gliedern sich die Beiträge stringent je erstens mit der Darlegung der Bedeutung des Teilhabebereichs für den Personenkreis, zweitens den zugrundeliegenden rechtlichen Aspekten sowie drittens einer differenzierten Analyse der Teilhaberisiken und schließlich viertens daraus resultierender disziplinärer Aufgaben in Verbindung mit der Beschreibung ganz konkreter Teilhabechancen. Die Kapitel schließen mit je fachspezifischer Literatur. Gerade durch diese klare Struktur besticht der Herausgeberband in seiner zugleich inhaltlichen Breite und ermöglicht so in kompakter Form differenzierte fachliche Ein blicke in vorhandene Beschränkungen innerhalb der Teilhabebereiche. Die Beiträge verweilen jedoch nicht an der Stelle der Problemanalyse, sondern geben wertvolle (auch rechtssichere) Hinweise und stimmige Anregungen (einschließlich Praxisbeispielen), mehr Teilhabe der Person mit intellektueller Beeinträchtigung (auch unter Beachtung der Person- und Umfeldbezogenen Kontextfaktoren) ermöglichen zu können. Mit dem seitens der Herausgebenden genannten Zuschnitt auf den Erwachsenenbereich kann der Herausgeberband darüber hinaus aber auch wichtige intentionale Impulse für die Gestaltung von Schule und Unterricht bei intellektueller Beeinträchtigung geben, die im Sinne eines lebenslangen Lernens geeignet dazu beitragen kann, Schutzfaktoren zu entwickeln und Kompetenzen aufzubauen – eine kompakte, wichtige Publikation sowohl für den schulischen, ebenso wie für den außerschulischen Bereich im Kontext intellektuelle Beeinträchtigung.

Holger Schäfer